Charlott 1 (d)

C

Schau mal, zu der Zeit, wo alles begann und ver­giss …” Ich legte den Hör­er auf. Ich lass mich doch hier nicht bequatschen, was gut war, was nicht und dies von mein­er Mut­ter. Was habe ich, wir alles erre­icht, bewältigt und da müsse es mir doch gut gehen. Nee, nicht mit mir. Es läuft ger­ade nicht toll, milde gesagt, und da hil­ft auch nicht, wenn ich es schön male mit dem, was gewe­sen ist. 

Wie war es denn, ja wie war es, bevor Fritz den Luftröhren­schnitt hat­te? Toll, dies kann ich auch nicht behaupten. Nee, es war anstren­gend, ein­fach anstren­gend, die Tage in der Klinik, Fieber, Erbrechen und dann ging es mal eine Woche nach Hause. Er ver­schluck­te sich wieder, hus­tete, erbrach, ein Tag später Fieber und ab wieder auf Sta­tion und die Diag­nose Lun­genentzün­dung erneut fix­iert auf dem Rönt­gen­bild wegen Ver­schluck­en von Magen­in­halt in die Luftröhre. “Warum ernähren sie ihr Kind nicht über eine Sonde?” fragte mich in dieser Zeit eine Ärztin. Ich zuck­te mit den Schul­tern und eine Woche später wieder dieselbe Frage und die Frage, die Aufk­lärung über das Leg­en ein­er Magen­sonde durch die Bauchdecke. Es würde Besserung brin­gen und da er auch nicht gut isst. Ich war rat­los, Wern­er hielt sich raus, was heißt, wenn ich ja sagte, dann sagte er es auch, wenn ich etwas verneinte vor den Kit­tel­trägern, dann sagte er: “Über­leg es dir doch noch mal, ob es wirk­lich gut ist, wenn wir nicht…” Wenn wir nicht, ja was wenn? Darauf zuck­te er mit den Schul­tern und ging aus dem Zim­mer, trat die Flucht an vor den Aus­sagen, dass es auch gar nichts bewirkt bei Fritz, egal was man macht.

Die Magen­sonde kam, vor drei Jahren, und ich nahm Fritz nach drei Wochen Klinik wieder nach Hause und wir blieben zu Hause, fast ein halbes Jahr, doch dann kam die Epilep­sie und wieder rein, da die Anfälle nicht zu brem­sen, zu unter­brechen waren. Ich heulte und kon­nte Wern­er nicht mehr anschauen, sein einge­fal­l­enes Gesicht, die geröteten Augen und der ver­schlossene Mund. Stille war zwis­chen uns einge­treten und Fritz schrie, jam­merte, wenn er nicht ger­ade schlief nach einen größeren Anfall. Einen Monat Klinik und sie hat­ten ihn fast anfalls­frei bekom­men, fast und Wern­er fand wieder die Worte zu mir und zu Fritz. Gestern bekam Fritz Fieber, ein­fach so, kein Mehr an Hus­ten, kaum Sekret, aber Fieber, und heute mor­gen ver­ließ ihn die Lust, selb­st zu atmen. Jet­zt klebt er an der Mas­chine, die für ihn atmet, die Luft in seine Lun­gen bläst und wieder raus­lässt.

Ich freu mich über dein Kommentar

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Ein Blog, kleine "Skizzen" aus dem IntensivZimmer, der Führung in der Pflege, als pflegende Angehörige, dass DrumHerum, wie die Pflege "lebt", ihr gut tut, die Teilhabe wie in der Schule, was die Kranken-, die Sozialkassen ... Wir mitten drin mit der Linn, unserer IntensivLady ...

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