Charlott 1 (f)

Kannste echt in den Skat drücken. Eigentlich ein Satz von meinem Großvater, aber seitdem Fritz geboren ist, ist der Satz auch nicht mehr aus meiner Welt wegzudenken. Einmal sind es die Leute in der Krankenkasse und dann der ganze Mief auf dem Amt. Tschuldigung, falls das Wort Mief nicht ganz passt, aber es lässt sich kaum anders sagen. Da entscheiden Menschen über Fritz, was er braucht, was nicht, ohne ihn einmal gesehen zu haben, ohne überhaupt verstanden zu haben: Was hat denn der Bub?

Was hat er denn? Ja, was. Die Mediziner wissen es nicht, bis auf die Diagnose Epilepsie und seine Behinderung tun sie ab mit: „globaler Entwicklungstörung“. Vor ein paar Tagen fragte mich eine Frau danach. Ich zuckte mit den Schultern und sagte: „schwere Behinderung.“
Ich hätte nie geglaubt, so häufig dieses Wort „Behinderung“ gebrauchen zu müssen. Hätte ich nie. In der Jugend nicht, dort war das häufigste wohl: „Haste mal ne Kippe?“ oder später, als die Partys gesitteter wurden, hieß es: „Haste mal ne Zigarette?“ oder Papers, Tabak. Heute fragt mich keiner mehr danach und ich selbst, ich vergesse den Dunst einfach. Nur dann nicht, wenn ich aus diesen elendigen Sitzungen komme, die mein Leben breit treten. Da zieht sich meine Lunge zusammen und es dürstet mich nach dieser Schwere im Kopf, dem knisternden Papier um dem Tabak.

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