Melatonin – nun geht es endlich in den Widerspruchsausschuss

Lange ist es her, wo ich das letzte mal das Thema Melatonin erwähnt habe. Nun, es liegt nicht an mir, sondern wohl eher am Arbeitstempo der BKK. Jetzt aber soll es endlich vor dem Widerspruchsausschuss verhandelt werden, so stand es im Brief geschrieben von vor knapp zwei Wochen. Wie stehen die Chancen?

Ich denke nicht, dass man dort zu einer Einsicht gelangt, die Kosten zu übernehmen. Denn, so wurde uns auch das Fertigarzneimittel „Circadin“ abgelehnt. „Circadin“? Nun dies ist ein Melatoninpräparat, was in der EU letztes Jahr zugelassen wurde und selbst der MDK hat darauf hingewiesen beim letzten Gutachten, also das es auch in Deutschland zu gelassen ist. Auch hat der MDK-Arzt gemeint im Gutachten, ein Fertigarzneimittel sei der Rezeptur vorzuziehen und erwähnte die Möglichkeit es als Off-Label-Us zu verschreiben.

Was heißt Off-Label-Us. Kurz: Wenn man ein Medikament anwendet außerhalb seiner Bestimmung, wie zum Beispiel: Viele Medikamente sind für Kinder unter 12 Jahren nicht zu gelassen, wie Antibiotika oder Antiepileptika. Der Grund ist häufig, weil sie bei Kindern nicht oder nur unzureichend getestet wurden und so die Pharmafirmen für den Einsatz dort keine Verantwortung übernehmen können. Doch soll man das kranke Kind unbehandelt lassen, auch wenn es Arzneimittel gibt? Sicherlich nicht und damit kommen dann die Medikamente außerhalb ihrer Bestimmung zum Einsatz. Eine alltägliche Praxis in der Kinderheilkunde.

„Circadin“ selbst ist primär für Erwachsene über 55 Jahre zugelassen, da diese Gruppe nur getestet wurde laut der Fachinfo und es ist eine Melatonin mit Retardwirkung. Das Gute dabei ist, dass hiermit in der EU „endlich“ ein Melatoninmedikament zugelassen ist, was heißt, es gibt einen „anerkannten“ Wirkungsnachweis, kurz gesagt. Denn wenn unsere Sache, also die Ablehnung von Melatonin, vor dem Sozialgericht landet, so sehe ich diese Zulassung als ein wichtiges Argument. Warum aber die Krankenkasse ein zugelassenes Medikament abgelehnt hat, obwohl Off-Label-Us bei Kindern üblich ist, haben wir nicht so richtig verstanden.

An sich können wir die Ablehnung von Melatonin nicht verstehen, auch vom MDK, wenn man bedenkt, wie schädigend die konventionellen Schlafmittel sind, wie zum Beispiel die Benzodiazipine. Diese machen körperlich abhängig und greifen auch in die Therapie der Epilepsie ein, weshalb sie von dem einen oder anderen Neuropädiater nicht gern gesehen sind. Es ist unverständlich, Kinder körperlich von Medikamenten abhängig zu machen, wenn es doch Alternativen gibt. Doch jetzt warten wir mal ab, was nun rauskommt. Sowohl bei der Ablehnung von „Circadin“ und der Rezeptur „Melatonin“. Aber es scheint, dass unser Widerspruch zur Ablehnung von „Circadin“ gerade eine Arbeitspause abhält. Um genaueres zu erfahren, so haben wir heute mal eine Nachfrage per Fax gesendet. Auf die Post kann man sich ja gerade nicht verlassen. Nicht das der Brief eine längere „Wanderpause“ einlegen muss in einem Streikbüro. Schließlich bis nach Düsseldorf, der Sitz der Kasse, ist es schon eine Strecke.

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Recht – Pflicht
Benzodiazepine
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