Hochkostenfälle

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„Der Wettbewerb im Bereich des Zusatzbeitrages ist transparenter als der frühere Wettbewerb über den Beitrag. Er verschärft sich. Darüber hinaus wird es auch einen Wettbewerb auf der Ausgabenseite geben. Die Kassen werden stärker motiviert sein, Hochkostenfälle anzugehen.“ BVA-Präsident Gaßner in: Gesundheitsreform 2011: BVA-Präsident Gassner im dpa-Interview. Das GKV-Netzwerk. 29.12.2010

Ein Satz der als Zugehöriger eines schwer kranken Kindes irritiert, um das Wort Angst zu vermeiden. Hochkostenfälle, sind damit gemeint einzelne Patienten, die der Krankenkasse hohe Rechnungen bescheren oder sind hier die einzelnen Bereiche gemeint in dem die hohen Summen entstehen?

Bei einem Intensivpatienten trifft wohl beides zu, ob auf der Ausgabenseite für Hilfsmittel oder Behandlungspflege „erzeugt“ seine gesundheitliche „Krise“ hohen Kosten und er “nutzt” viele Ausgabearten der Krankenversicherung, also auch die, welche einen hohen Anteil an den Gesamtausgaben der Krankenkasse besitzen. Doch, so unsere Erfahrung, ist die Krankenkasse schon seit dem das „Intensivkind“ den intensiveren Kontakt mit dem Gesundheitswesen hat, bestrebt, Leistungen nicht zu genehmigen z.B. als es um den ersten Rehabuggy ging. Also demnach auch um Kosten niedrig zu halten. Sprich, für uns schon gute sechs Jahre. Und weiter gelesen im gleichen Artikel heißt es von Herrn Gaßner:

„Der Kostendruck kann auch heilsam gegen Irrungen des Systems sein. So kann es auch im Sinne eines Kranken sein, wenn sich Kassen seines Falls besser annehmen. Wenn jemand zum Beispiel einen extrem hohen Medikamentenverbrauch hat, der aber nicht medizinisch indiziert ist, kann eine Reduzierung der Arzneimittel auch zu einer besseren Gesundheit führen.“ aus: ebd.

Ich bezweifle nicht, dass es Dinge gibt im Gesundheitswesen, die man als Irrungen bezeichnen könnte, ob bei den Ausgaben für so manchen „Gesundheitskurs“ oder auch in der Bürokratie. Es kann auch gut sein, dass die eine oder andere medikamentöse Therapie nicht den Erfolg bringt. Aber es ist eben auch schwierig, Ärzten mit zu teilen, dass nicht alle Medikamente indiziert seien, die sie verschreiben. Dies könnte die ärztliche Kompetenz angreifen und hinzu stehen viele Ärzte aufgrund der Budgetierung eh unter den Druck, hier „unnötige“ Ausgaben zu vermeiden.

Und bleibe ich beim Thema Medikamente, so sehe ich es hier als sinnvoll Programme oder Lösungen zu schaffen, die eine gesicherte Einnahme der Medikamente gewährleisten. Dies bedeutet eine regelmäßiger Einnahme, der richtigen Dosis und Therapiedauer. Hier liegen die häufigsten Fehler, was den Therapieerfolg zu Fall bringen kann und sogar die Erkrankung und deren Komplikation verschärfen könnte. Eine gesicherte Einnahme, dadurch könnten Kosten vermieden werden und vielleicht auch ein weg von mehreren einzelnen Arzneimitteln pro Tag, je nach Einzelfall.

Aber warum bin ich irritiert? Eigentlich zeigt eine Erkrankung mit schweren Folgen wie eine körperliche Beeinträchtigung von sich aus auf, dass eben Leistungen wie Rehabuggy oder Rollstuhl notwendig sind und viele dieser Maßnahmen eh geprüft werden durch MDK-Gutachten. So zumindest ist unsere Erfahrung. Bedeutet ein noch “schärferes” Herangehen an kostenintensiven Patienten gleich, dass alles erstmal abgelehnt wird bis hin zu der medikamentösen Therapie? Wenn ja, vielleicht sollten die Kassen gleich weitere Kosten sparen, in dem man die Hochkostenfälle direkt von der / vom “Gutachter/In” behandeln lässt. Es hat auch seinen Vorteil, dass dieser dann deutlich sieht, welche Wege seine “empfohlene” Therapien gehen würden.

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