Tracheostoma und Intensivkind: Wer darf absaugen

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Es würde vieles vere­in­fachen, wenn ein­fach ein „jed­er“ beim Inten­sivkind absaugen kön­nte oder dürfte. Doch es ist nicht. Absaugen darf

  • die Ärztin / der Arzt
  • die Gesund­heits- und Kinder-/Krankenpflegerin (nach Del­e­ga­tion vom Arzt)
  • wir selb­st als Sorge­berechtigte
  • Altenpflegekräfte, wenn sie über eine Zusatzqual­i­fika­tion ver­fü­gen (mit Del­e­ga­tion vom Arzt)
  • die / der Tra­cheostom­a­trägerIn selb­st, wenn sie / er dazu in der Lage ist
  • geschulte Logopädin­nen / Ergo- und Phys­io­ther­a­peutIn­nen (nach Del­e­ga­tion vom Arzt?) -> siehe bei L.O.G.O.P.A.E.D.I.S.C.H

Eine wichtige Vor­raus­set­zung beim Inten­sivkind ist noch, dass sie ein­willigt, wer sie absaugt. Da die Lady es nicht äußern kann, übernehmen wir diese Zus­tim­mung. In der Zeitschrift „beat­met leben“ 5 / 2014 habe ich let­ztens den Artikel „Fach­pflege ohne Aus­bil­dung“ gele­sen über medi­zinisch ungel­ernte Kräfte in der Betreu­ung von beat­meten Patien­ten. Eine Lösungssuche für das Dilem­ma „Pflegenot­stand“. Denn der Fachkräfte­man­gel in der Pflege macht es schw­er geeignetes Pflegeper­son­al zu find­en für die Ver­sorgung von tra­cheotomierten und / oder beat­meten Men­schen.

Der Vorschlag: Das medi­zinisch ungel­ernte / ger­ing qual­i­fizierte Per­son­al, zum Beispiel Erzieher, wird in qual­i­fizieren­den hoch inten­siv­en Kursen mit The­o­rie und Prax­is in dem Bere­ich Beat­mung geschult. Diese Schu­lun­gen müssen dann regelmäßig wieder­holt wer­den. Ich finde es einen guten Lösungsansatz, ins­beson­dere wenn diese Kurse eine Anerken­nung haben.

Die Kurse soll­ten bein­hal­ten

ein solides, auf Erken­nung und Behand­lung von Kom­p­lika­tio­nen aus­gerichtetes prak­tisch ori­en­tiertes Train­ing“ (aus: Aring, Dr. Christoph. Fach­pflege ohne Aus­bil­dung in beat­met leben 5/2014 S. 23)

und darauf abzie­len

neben den tech­nis­chen Fer­tigkeit­en in simulierten Szenar­ien die wichtig­sten Sit­u­a­tio­nen zu trainieren, und zwar in regelmäßi­gen zeitlichen Abstän­den“ (aus. ebd.).

Vor­raus­set­zung sei für den Ein­satz geschul­ter nicht-medi­zinis­ch­er Fachkräfte, dass der (kleine) Patient schon langjährig beat­met und somit in der Beat­mung sta­bil ist. Die sich wieder­holen­den indi­vidu­ellen Prob­leme in der Beat­mung, beim Tra­cheostoma und dem endo­tra­chealen Absaugen sind bekan­nt.

Für mich stellt sich dann noch die Frage, in wie weit bei Behand­lungs­fehlern die jew­eilige Beruf­shaftpflicht der niedrig qual­i­fizierten Kräfte greift oder müssen die sorge­berechtigten Ange­höri­gen oder der Patient selb­st die geschul­ten Kräfte von der Haf­tung frei stellen? Schwierig.

Bei steigen­den Fachkräfte­man­gel in der Kinder-/Krankenpflege wäre dies ein Weg, um die ambu­lante Ver­sorgun­gen der Betrof­fe­nen abzu­sich­ern. Zu bedenken wäre, ob von Seit­en der Kos­ten­träger dann nicht die Idee entste­ht, die Beat­mungs- und Tra­cheostom­apflege sei Laienpflege und kön­nte prob­lem­los von den Ange­höri­gen über­nom­men wer­den. Die Notwendigkeit eines Inten­sivkrankenpflege­di­enst beste­ht nicht.

Ander­er­seits würde ich mir eine inten­sive Schu­lung in dieser Form für die Ange­höri­gen wün­schen. Die Kosten soll­ten dafür die Kranken- und Pflegekassen übernehmen.

2 Kommentare

  • Hal­lo Dirk, ich teile deinen Gedanken zum The­ma absaugen. Es ist immer wieder sehr über­raschend wie oft eine gel­ernte Fachkraft nach der “alten” Meth­ode absaugt. Ich bekomme einen Hals, wenn ich sehe wie beim Absaugen herumgerührt und gestochert wird in der Kanüle. Und wenn man die Fachkraft darauf hin­weist, dass dies schon länger so nicht prak­tiziert wird, erhält man schnip­pige Antworten: „Das mache ich schon immer so…“.
    Es muss eine gute, Bun­desweit ein­heitliche, Schu­lung zu dem The­ma durchge­führt wer­den.
    Und generell würde ich auss­chließen wollen, dass das RICHTIGE Absaugen eine Laien­ar­beit ist. Man kann hier­bei vieles falsch machen und den Zus­tand des Patien­ten neg­a­tiv bee­in­flussen. Es geht ja auch um Tra­cheostom­apflege, Kanülen­wech­sel, Inhala­tion, Abhören der Lunge, Beurteilung der Atmung und Deu­tung der Atemgeräusche, Ver­hal­ten im Not­fall…
    Viele Grüße Sascha

  • Hal­lo Sascha,

    eine bun­desweit ein­heitliche Schu­lung wird es sicher­lich nicht (so schnell) geben – ein guter Schritt ist, wenn es in anerkan­nten Leitlin­ien fix­iert ist. Ich muss da mal auf die Suche gehen …

    Wenn man erfahrene Pflegekräfte kri­tisiert, so meine Erfahrung, ist deren Erfahrung und Kön­nen wertzuschätzen und anzufü­gen: Schau mal, du saugst auf die Art ab, doch für uns und XX gilt diese Tech­nik. Er ist so gewöh­nt und es ist für ihn am wenig­sten belas­tend. Pflege­fachkräfte arbeit­en auch mit Tech­niken, die sie in den ver­schieden­sten Pfle­ge­si­t­u­a­tio­nen sich “angewöh­nt” haben, da sie dort am effek­tivsten waren oder es eine Not­fall­si­t­u­a­tion erforderte. Wird deut­lich, dass die Pflege­fachkräfte häu­fig nicht nach euren Bedürfnis­sen absaugen, so prüft doch die Pflege­s­tandards eures Pflege­di­en­stes und schafft eventuell einen indi­vidu­ellen Pflege­plan zur Tra­chaelpflege- und ver­sorgung (wenn nicht schön geschehen). Dann kann man noch auf diesen ver­weisen mit dem Argu­ment, dies zusam­men mit der PDL / Team­leitung gemein­sam erar­beit­et zu haben.

    Mit Gruß, Dirk

Von Dirk Strecker

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Ein Blog, kleine "Skizzen" aus dem IntensivZimmer, der Führung in der Pflege, als pflegende Angehörige, dass DrumHerum, wie die Pflege "lebt", ihr gut tut, die Teilhabe wie in der Schule, was die Kranken-, die Sozialkassen ... Wir mitten drin mit der Linn, unserer IntensivLady ...

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