Charlott 2 (j)

Ich verstehe es einfach nicht. Die Hilde klingelt durch und redet was von, ich will jetzt kommen und dann, einfach Ruhe. Zwei Stunden braucht sie bis zu mir, meint sie. Zwei Stunden und ich habe den ersten Brief an sie fertig geschrieben. Es war gar nicht so einfach, die Gedanken zu ordnen, schwieriger als beim Seelendoc. Bei dem kann ich einfach drauf los reden und dann wird sich von einem zum anderen Thema gehangelt. Bei der Hilde, nee, da braucht es erst eine Einführung. Das musste ich spätestens lernen, als ich ihr klar machte, Fritz ist behindert, behutsam.

Schon witzig, die anderen brauchen es behutsam und uns Eltern hat man es einfach so hingeknallt: Ein normale Entwicklung ihres Kindes können sie vergessen. Dabei war eine Therapeutin noch besser, die hat uns immer, jede Stunde, erklärt, was Fritz nicht kann. Wir starrten nur noch auf das Kind, wie auf ein Auto mit Totalschaden.Behutsam und was schreibt man einer Freundin, wenn es nichts zu sagen gibt. Man beschreibt die Oberfläche und dann die Falten, was einen stört und woran man merkt, irgend etwas fließt durch die Falten und man kann es nicht packen. Ist es das Leben, das, was ich versäumt habe oder ist es die Angst, wieder etwas zu versäumen. Drei Stunden sind jetzt rum und immer noch ist kein Auto vorgefahren. Denn Brief habe ich jetzt verpackt, mit Kuss, versteht sich. Wird wohl morgen den Postweg nehmen.

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Dirk Strecker

Er arbeitet im und führt das PflegeTeam von Linn im Arbeitgebermodell (PflegeTeam bei Zitronenzucker) - gepaart mit seinen Erfahrung aus der Leitungsarbeit in ambulanten Kinderkrankenpflege / Intensivpflege. D.S. administriert Selbsthilfe-Webprojekte und wirkt vor Ort mit bei Themen der Selbsthilfe, Integration - Inklusion und der Kinderhospizarbeit. Er war Koordinator für den Kinderhospizdienst und berät jetzt beim Bundesverband Kinderhospiz.

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