Charlott 2 ℗

An manchen Tagen, wenn es mir mit Fritz zu viel wurde, die Schwest­ern vom Pflege­di­enst auch nur mein Dasein als ihre eigene Ent­las­tung sahen, stieß ich schnell an die Frage, ob ich nun ein­fach gehen oder die Luft anhal­ten solle. Doch diesen Gedanke zer­schnitt ich sofort mit dem “Es geht nicht.”. Ich kochte mir einen Kaf­fee und set­zte mich neben der Schwest­er, egal ob diese Frau was sagt oder nicht, egal, Haupt­sache Fritz war entspan­nt und ruhig. Schnell ver­sucht­en dann die Gedanken Anschluss zu find­en an die Frage, ob ich die Haustür öffne und gehe oder ob es mich nicht mal aus dem Leben, aus dem All­t­ag wer­fen kön­nte, ein­fach so.

An den anderen Tage, an den dann noch meine Mut­ter nervte, gruben sich diese Ideen mehr und mehr tiefer in den Kopf ein, fraßen sich fest und wur­den zum Spiel­ball der Gedanken, denn man kaum heben kon­nte. Vielle­icht reichte auch ein­fach eine Grippe , die mich ans Bett fes­selt, wo der aufrechte Kör­p­er zu einem befremdlichem Bild wird, da die Beine mich nicht mehr tra­gen mögen und die Füsse bei jedem Schritt einknick­en. Eine Hand muss mir meine Hand brin­gen, mir zeigen, wie ich den Bech­er Wass­er zu hal­ten habe, wie einem Kleinkind, den man dann noch ein Kuss gibt zur Gene­sung und die Gewis­sheit, alles wird gut. Doch mit der Grippe wurde es nichts, selb­st ein Kuss, eine führende Hand blieb mir ver­wehrt. Stattdessen fraß sich der Satz fest: Ich kann nicht mehr. Der Zug, die Karawane, die sich durch mein, die mein Leben trägt, muss ste­hen bleiben. Der neue König, mein Heil, für den die Gaben sind, muss sich gedulden. Eine Grippe kommt und man ver­liert den Bal­last, die ständi­ge Schwere vom All­t­ag. Die Karawane ver­liert den Bal­last, aber nicht die Schwere. Die Fahrt wird leichter und doch schmerzt der Rück­en. Die Frage kreist, ob denn der König einem ent­ge­gen kom­men würde. Doch zur Gewis­sheit formt sich nur: Wir müssen zurück. Das Ziel, der König, er ist zu weit weg und was wir ver­loren haben, um ihn zu erre­ichen, war nur die Last unser­er eige­nen Kräfte.

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Dirk Strecker

Er arbeitet im und führt das PflegeTeam von Linn im Arbeitgebermodell (PflegeTeam bei Zitronenzucker) - gepaart mit seinen Erfahrung aus der Leitungsarbeit in ambulanten Kinderkrankenpflege / Intensivpflege. D.S. administriert Selbsthilfe-Webprojekte und wirkt vor Ort mit bei Themen der Selbsthilfe, Integration - Inklusion und der Kinderhospizarbeit. Er war Koordinator für den Kinderhospizdienst und berät jetzt beim Bundesverband Kinderhospiz.

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