Beatmungs-WG, Integration und raus aus der Wohnung

Was wird, wenn das Inten­sivkind in das Alter kommt, wo es heißt, jet­zt ziehe ich aus, mal unab­hängig von ihrer Prog­nose gedacht. Soll es eine Art Beat­mungs-WG sein, ein Pflege­heim? Beim Wort „Heim“ steigt so eine Art Abwehrspan­nung in mir auf. Also doch eine Beat­mung-WG. Ich weiß nicht, vielle­icht muss es sich … etwas Gemis­cht­es, also eine Wohn­form mit WG-Charak­ter und einen Mix aus Schw­er­stzupfle­gen­den und Men­schen mit erhöhtem Betreuungsbedarf.

Integration Adieu

Also keine Beat­mungs-WG. Denn diese haben keine Chance eine inte­gra­tive Idee zu ver­fol­gen und sie wer­den nicht gemocht im „nor­malen“ Wohn­haus, wenn ich den Artikel zu einem Urteil vom Amts­gericht Köln lese. Schließlich wird in ein­er „üblichen“ Beat­mungs-WG gestor­ben, es piept und viele Leute gehen dort ein und aus. Anders gesagt, in ein­er wohlhaben­den Gegend haben Beat­mungs-WGs keine Chance — also ab mit ihnen, dort wo die Pflege­heime ste­hen, ab in Wohnge­gen­den mit „schlecht­en Ruf“, mit Blaulichtein­sätzen auf­grund von Gewalt und Alko­hol, an den Rand der Stadt, des bürg­er­lichen Lebens. Diese schw­er­stkranken Men­schen sind doch …, was haben diese denn schon für eine Leben­squal­ität, wer im Koma liegt, was stört ihn schon eine Auto­bahn oder der Fluglärm. Eine schwere Erkrankung, der Tod passt nicht ins bessere Wohnge­bi­et, denn er bringt Unruhe mit sich und stellt die Frage, wird es mir auch so ergehen?

Drei Raum für vier

Es klingt schon merk­würdig, wenn eine WG mit drei Räu­men vier „unab­hängig“ voneinan­der lebende Patien­ten beherbergt, oder ver­ste­he ich dies falsch. Drei Räume, vier Patien­ten und wo ist der Rück­zugsraum für die Pflege­fachkräfte. Ich hoffe, in dieser WG arbeit­ete nicht nur eine einzige exam­inierte Pflege­fachkraft pro Schicht. Denn was macht die Pflege­fachkraft allein bei zwei, drei Not­fällen gle­ichzeit­ig? Wür­feln, wer zuerst dran ist, wer ver­stirbt? Allein schon diese Fak­ten wür­den mich zweifeln lassen, ob diese Beat­mungs-WG fürs Inten­sivkind passend sei.

Wir mögen es nicht: Lebensrecht von Schwerstkranken?

Als Faz­it nach einem Artikel zum Urteil bleibt bei mir hän­gen, dass die Leben­sum­stände von schw­er­stkranken Men­schen zum Rauswurf aus einem Haus führen kön­nen. Mag sein, dass es hier um eine Woh­nung ging, wo eine hohe Fluk­tu­a­tion herrschte an Bewohn­ern, doch es ging mit um die Lärm­beläs­ti­gung, die die Pflege und medi­zinis­che Ver­sorgung von Schw­er­stkranken mit sich bringt, so liest sich der Zeitungsar­tikel. Dür­fen wir dies aus unserem Leben drän­gen? Das andere ist sicher­lich, wenn ein gewin­nori­en­tiertes Unternehmen (Pflege­be­trieb) in ein Wohn­haus einzieht und seine „Pro­duk­tion“ (Pflege) unüblichen Lärm verur­sacht. Die Frage für mich ist, wie wäre dies Urteil aus­ge­fall­en, wenn es um einen einzel­nen beat­meten Men­schen ging mit seinem Pflege­di­enst? Könne dieser im Haus bleiben, da sein „Lärm“ zu ertra­gen sei?

Erster Kommentar

  • Abge­se­hen davon, dass kein Kind ausziehen muss, sollte man die Woh­nung, die Wohn­form, die Gegend suchen, wo man leben will und dann die indi­vidu­elle, per­sön­liche (!) Hil­fe organisieren.
    Das ist Inklusion.
    WGs und Heime, wo selek­tiert wird, hier die Beat­meten, dort die Koma-Patien­ten, und da die Krum­men-Nasen 😉 .… sind passé und falsch.

    Es gibt Men­schen mit Beat­mung, die mit per­sön­liche Assis­tenz selb­st­bes­timmt leben, in ihrer eige­nen Woh­nung. Geht. Sog­ar wun­der­bar. Die, die nicht für sich sprechen kön­nen, müssen für die Organ­i­sa­tion und Ein­teilung der Assis­ten­ten von jeman­den unter­stütz wer­den, warum nicht von den Eltern, die es ver­mut­lich am Besten können?

    Und: Prog­nosen sind auf Men­schen, die in Insti­tu­tio­nen leben gemacht. Ich kenne so viele, die zu Hause leben, die die Prog­nose der Medi­zin um Jahrzehnte “über­lebt” haben.

    LG
    Neni

Von admin

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