Gefragt: Dein Erlebnis in der außerklinischen Intensivpflege

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Ich bin genervt, ver­un­si­chert. Ein neu­es Gesetz, §37c SGB V, das nur für die häus­li­che Inten­siv­pfle­ge gebas­telt wur­de, formt mei­ne Sor­gen aus. Es dreht die Angst, ob wir mit unse­rer Inten­siv­la­dy nicht mehr zu Hau­se leben kön­nen, wenn alle Richt­li­ni­en dazu greifen. 

Es ist eine grö­ße­re Angst zu allen Vor­schrif­ten durch die Pan­de­mie, wo eini­ge auch bedroh­lich wirk­ten für unse­re häus­li­che Inten­siv­ver­sor­gung. War­um? Was? 

Aber blei­ben wir beim neu­en Gesetz. Denn dort gibt es eine neue Initia­ti­ve. Hier kann ich als Betrof­fe­ner mei­nen Unmut, mei­ne Unsi­cher­heit, mei­ne Erfah­rung äußern.

Das Projekt: Selbstbestimmtes Leben mit außerklinischer Intensivpflege (AKI)

Die Inter­es­sen­ver­tre­tung Selbst­be­stimmt Leben in Deutsch­land e.V. (ISL e.V.) führt ein Pro­jekt ein, das von AKTION MENSCH unter­stützt wird. 

Die­ses Pro­jekt hat zum Ziel, Men­schen, die AKI erhal­ten oder Anspruch dar­auf haben, zu infor­mie­ren und zu begleiten.

Es for­dert dabei ein, dass die UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on umge­setzt sein muss und bie­tet nied­rig­schwel­li­ge Infor­ma­tio­nen über die AKI mit der Online-Platt­form “Leben mit AKI”. Die­se Platt­form ermög­licht es auch Betrof­fe­nen, anonym ihre Erfah­run­gen zu teilen.

Mach mit: https://​aki​-hkp​.de

Was ist der §37c SGB V

Es ist der Para­graf zum Inten­siv­pfle­ge- und Reha­bi­li­ta­ti­ons­stär­kungs­ge­setz (GKV-IPReG). Dies wur­de im Juli 2020 ver­ab­schie­det und trat im Okto­ber 2020 in Kraft für alle gesetz­lich Krankenversicherten. 

Es lös­te die Leis­tung der Häus­li­chen Kran­ken­pfle­ge (HKP — §37 SGB V) ab — die stun­den­wei­se „Über­wa­chungs­pfle­ge“ bis zu 24 h am Tag, auch AKI genannt. 

Die HKP galt für die AKI zuvor zusam­men mit der Richt­li­nie Häus­li­che Krankenpflege.

Die zum neu­en Gesetz, dem §37c SGB V, gehö­ri­ge Richt­li­nie (AKI-RL) wur­de im März 2022 ver­öf­fent­licht und wird und soll den Anspruch für die Ver­si­cher­te beschrei­ben und absi­chern, die die­se Leis­tung über die HKP erhielten.

Auf Kopfkissen liegt ein Beatmungsventil mit Schlauch
Auf Kopf­kis­sen liegt ein Beatmungs­ven­til mit Schlauch

In der Häus­li­chen Kran­ken­pfle­ge, der Richt­li­nie, hieß die­se Leis­tung spe­zi­el­le Krankenbeobachtung.

Ein Schwer­punkt der spe­zi­el­len Kran­ken­be­ob­ach­tung ist, dass bei Men­schen mit gestör­ten Vital­funk­tio­nen, wie die Atmung, lebens­be­droh­li­cher Kom­pli­ka­tio­nen ver­mie­den wer­den sol­len. Kurz gesagt: der Tod, wenn kei­ne medi­zi­ni­sche Behand­lung schnellst­mög­lich erfolgt.

Für Pati­en­ten, die beatmet oder tra­cheo­to­miert sind, erfor­dert das neue Gesetz und die Richt­li­nie für die AKI eine Poten­zi­al­erhe­bung durch spe­zia­li­sier­te Ärzte. 

Außerklinische Intensivpflege (AKI) – es braucht Erfahrungsberichte der Betroffenen 

Die außer­kli­ni­sche Inten­siv­pfle­ge zeich­net den Mit­tel­punkt des Gesche­hens seit dem Inkraft­tre­ten des GKV-IPReG, der §37c SGB V, aus. Weil die AKI nicht mehr zur Häus­li­chen Kran­ken­pfle­ge gehört, bringt es schwer­wie­gen­de Ver­än­de­run­gen für betrof­fe­ne Men­schen mit sich. 

Die Stimmen der Betroffenen mit /​in der AKI 

In einer sol­chen Zeit eines gesetz­li­chen Wan­dels im Gesund­heits­we­sen kön­nen sich gesell­schaft­li­che Wer­te ver­schie­ben und den bis­he­ri­gen Kon­sens für schwerst erkrank­te Men­schen ändern. Also die Wer­te, wie wir für die­se Ver­si­cher­te und deren An- und Zuge­hö­ri­gen sor­gen wol­len und wie wich­tig die­se Sor­ge­ar­beit ist.

Damit erfasst wer­den kann, wel­che Aus­wir­kun­gen gesche­hen für die betrof­fe­nen Ver­si­cher­ten, ist es ent­schei­dend, auf die Erfah­run­gen und Her­aus­for­de­run­gen die­ser Men­schen zu hören. 

Dafür wur­de die oben genann­te Web­sei­te ein­ge­rich­tet, um die Stim­men der Betrof­fe­nen zu sam­meln (anonym) und auf die Pro­ble­me auf­merk­sam zu machen, die durch das GKV-IPReG bis­her ent­stan­den sind. 

Die Berich­te der Betrof­fe­nen sol­len eine Viel­zahl von Fehl­ent­wick­lun­gen, Leis­tungs­ver­schie­bun­gen und Ver­sor­gungs­pro­ble­men auf ver­schie­de­nen Ebe­nen erfas­sen und sicht­bar machen. Dafür bedarf es Erfah­rungs­be­rich­te, um zu erken­nen, wie das GKV-IPReG umge­setzt wird.

Mit die­sen Berich­ten kön­nen poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger auf die Miss­stän­de und die schwie­ri­gen Lebens­si­tua­tio­nen der Betrof­fe­nen und ihren Fami­li­en auf­merk­sam gemacht werden.

Veränderungen durch das GKV-IPReG und Schlussgedanken

Die außer­kli­ni­sche Inten­siv­pfle­ge ist im Wan­del, und es ist von ent­schei­den­der Bedeu­tung, die Stim­men der Betrof­fe­nen zu hören. Das GKV-IPReG bringt Ver­än­de­run­gen mit sich, die das Leben vie­ler Men­schen beein­flus­sen, wie uns. Das Pro­jekt “Selbst­be­stimm­tes Leben mit AKI” bie­tet eine Platt­form für Infor­ma­tio­nen und den Aus­tausch von Erfah­run­gen. Seit ihr betrof­fen, oder An- und Zuge­hö­ri­ge oder arbei­tet als pro­fes­sio­nel­le Pfle­ge­fach­kraft in der AKI: Macht mit.

Denn die­se Initia­ti­ve kann hel­fen, die The­men der außer­kli­ni­schen Inten­siv­pfle­ge zu betrach­ten und letzt­lich die Lebens­qua­li­tät der Betrof­fe­nen ver­bes­sern. Besucht die Web­sei­te: https://​aki​-hkp​.de

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by dirkstr

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