Pflegezirkus // Gestalte die Intensivpflege mit Lebenslimitierung und Behinderung - der Suche der Identität im Mann-Sein darin //

Großeltern, Kinderhospiz und das Private

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Sie­ben Jah­re ist das Inten­siv­kind alt und wir haben uns nie getrennt, sehe ich ab von den Näch­ten auf den Inten­siv­sta­tio­nen, in der Reha­kli­nik und ein oder zwei Näch­ten zuhau­se mit Pfle­ge­dienst. Es war kei­ne Tren­nung über eine län­ge­re Zeit, über meh­re­re hun­dert Kilo­me­ter und jetzt ist das Inten­siv­Zim­mer still. Ohne Kind, kei­ne Pfle­ge­fach­kraft und kei­ne säu­seln­de Beatmungs­ma­schi­ne. Es ist gut so – zu einer gesun­den Bezie­hung gehört die Tren­nung, das Allein­sein voneinander … 

Das Inten­siv­kind ist mit den Groß­el­tern ins Kin­der­hos­piz nach Bad Grö­nen­bach gefah­ren. Der Grund für die­se Rei­se ist nicht, dass wir von­ein­an­der das Allein­sein ein­üben möch­ten. Die­sen Gedan­ken möch­te ich nicht leben, denn bei der Lebens­pro­gno­se möch­te ich jeden Tag um sie wis­sen, mit ihr erle­ben. Wie­viel Zeit wir mit­ein­an­der noch haben, ist unge­wiss. Eine Unge­wiss­heit, die im All­tag mit schwingt. Es geht um die gemein­sa­me Zeit. Die Lebens­zeit mit dem Inten­siv­kind zu leben, ein Recht, was genau­so die Groß­el­tern leben dür­fen. Ein Recht dar­auf, eine gesell­schaft­li­che «nor­ma­le» Lebens­si­tua­ti­on gestal­ten zu kön­nen. Die Groß­el­tern ver­brin­gen Zeit mit der Enke­lin allein, wie es in dem Alter bei vie­len Fami­li­en Brauch ist. Die Groß­el­tern neh­men ihre Enkel mit in den Urlaub, auf eine Kurz­rei­se oder wenn die Eltern weg fahren.

Dies heißt für mich, eine kur­ze Woche ohne Pfle­ge­zeit. Kei­ne mor­gend­li­che Pfle­ge­run­de von gut einer Stun­de und auch nicht abends. Kei­ne Zei­ten müs­sen auf­ge­wen­det wer­den für Über­ga­ben der Pfle­ge an die Pfle­ge­fach­kräf­te oder zurück. Kei­ne Dis­kus­si­on aus­ge­tra­gen wer­den mit den Fach­pfle­ge­kräf­ten dar­über, was läuft, was nicht läuft und wo sich Pfle­ge­pro­ble­me ein­schlei­chen. Die freie Zeit, die ich jetzt gewon­nen habe, ist nicht das bedeu­tends­te. Die Ent­las­tung ist die Ruhe und der Gewinn an pri­va­tem Leben in der Woh­nung. Durch den Pfle­ge­dienst sind täg­lich über vie­le Stun­den Pfle­ge­fach­kräf­te fürs Inten­siv­kind in der Woh­nung und dies ist anstren­gend, kurz gesagt. Es belas­tet, unab­hän­gig von dem, ob man sich mag oder nicht. Die heu­te gewon­ne­ne Pri­vat­sphä­re erin­nert mich an dem Aus­zug aus einer Wohn­ge­mein­schaft. Die Tür ist zu und die Woh­nung ist für uns allein, nur für mich. Ein Ein­druck, der für vie­le in unse­rer Kul­tur All­tag ist.

Zurück zur Groß­el­tern­wo­che. Wer in die The­men der Kin­der­hos­piz­ar­beit geschnup­pert hat, weiß, die Fami­li­en­ar­beit beschränkt sich nicht auf die Kern­fa­mi­lie, also die Eltern und Geschwis­tern. Groß­el­tern, Geschwis­ter der Eltern und Freun­de der Fami­lie gehö­ren dazu. Alle sind mit dem Leben eines schwer kran­ken und/oder behin­der­ten Kin­des betrof­fen und ver­su­chen damit einen Weg zu fin­den. Reak­tio­nen wie Hin- oder Abwen­dung sind Reak­tio­nen des Umgan­ges damit. Eini­ge Groß­el­tern sind aktiv in die täg­li­che Pfle­ge ein­ge­bun­den. Kri­sen oder der Pfle­ge­all­tag zer­ren genau­so an ihnen wie bei den pfle­gen­den Eltern.

Inten­siv­kind­zeit exklu­siv für die Groß­el­tern. Eine wich­ti­ge Zeit. Auf die­sem Weg wird umge­setzt, dass sie ihre Enke­lin gut ken­nen ler­nen kön­nen, eige­ne Erfah­run­gen nur für sich sam­meln kön­nen. Es steht kei­ne elter­li­che Pfle­ge­per­son vor ihnen, zwi­schen dem Inten­siv­kind und ihnen. Sie müs­sen ler­nen, die Spra­che, die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Inten­siv­kind zu leben. Es lohnt sich und ein Dank der Kin­der­hos­piz­ar­beit, die dies mög­lich macht

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Ein Blog, kleine "Skizzen" aus dem IntensivZimmer, der Führung in der Pflege, als pflegende Angehörige, dass DrumHerum, wie die Pflege "lebt", ihr gut tut, die Teilhabe wie in der Schule, was die Kranken-, die Sozialkassen ... Wir mitten drin mit der Linn, unserer IntensivLady ...

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