Der Jungbrunnen und die Selektion des Lebens

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Hat­ten Sie schon mal über eine Rücken­marks­trans­plan­ta­ti­on oder ‑spen­de nach gedacht? Das viel­leicht schon, aber bit­te … Bei ARTE kam es ges­tern in der Sen­dung 100 Jahr’, vol­les Haar …” vor und dies zur Behand­lung der Leuk­ämie. Sicher­lich, es ist nur ein Über­set­zungs­feh­ler und soll Kno­chen­mark hei­ßen. Die Wör­ter sind ja fast genau­so lang, da kann es schon mal vorkommen. 

Aber kom­men wir zu etwas ande­ren in die­sem Film: Die Selek­ti­ons­me­di­zin beim Kin­der­wunsch. Ich sage bewusst Kin­der­wunsch, denn Selek­ti­ons­me­di­zin bedeu­tet eben auch Prä­im­pla­ta­ti­ons­dia­gnos­tik, was vor der Schwan­ger­schaft statt­fin­det oder die Abtrei­bung wäh­rend der Schwan­ger­schaft. Dies war auch The­ma, eben damit man ein gesun­des Kind bekommt und sie wur­de als der Fort­schritt ange­prie­sen. Aber was fehl­te waren eben die bei­den Wör­ter Prä­im­pla­ti­ti­ons­dia­gnos­tik und Abtrei­bung. Man rede­te von den Chan­cen und den Mög­lich­kei­ten der Gene­tik für ein gesun­des Kind, aber das Los, was man zieht, leg­te man bei­sei­te. Man ver­miet die­se bei­den Wör­ter, ob bewusst oder unbe­wusst, und somit ver­mied man auch einen Schat­ten die­ser Entwicklung.

Was ist das Los einer Gesell­schaft und auch für den Men­schen sel­ber, der über sich weiß, dass er selek­tiv aus­ge­wählt wur­de? Ein Aus­sa­ge der Gesell­schaft zur Selek­ti­on ken­nen wir schon per­sön­lich: “Hät­te man es nicht ver­hin­dern kön­nen” und die Augen star­ren auf das Kind. Möch­ten Sie in einer sol­chen Gesell­schaft leben, wo Sie schwer erkran­ken und man Sie fragt: Hät­te man es (sie) nicht ver­hin­dern kön­nen? Aus Sicht einer Kran­ken­ver­si­che­rung wür­de es sogar gra­vie­ren­de­re Fol­gen haben. Wenn man schon wäh­rend der Schwan­ger­schaft von Ihren kom­men­den Lei­den gewusst hät­te, so wäre die Fra­ge, ob Sie über­haupt einen Ver­si­che­rungs­schutz bekom­men hät­ten und wenn ja, zu wel­chen Kon­di­tio­nen. Aber eine ande­re Fra­ge blieb auch offen. Da wird in dem Film die Medi­zin als Jung­brun­nen bewor­ben, unse­re Lebens­er­war­tung stei­ge. Aber was ist mit den alten Leu­ten, die Lebens­mü­de sind, die kei­ne Lust mehr haben und dem Leben ein Ende set­zen? Dies stellt kein klei­nes Pro­blem dar und fin­det sich in Dis­kus­si­on wie­der, was ich im Blog:Biopolitik jetzt las, wie eben bei Anne Will (und ich bin froh, dass ich es nicht gese­hen habe. Oder habe ich was verpasst?).

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Ein Blog, klei­ne “Skiz­zen” aus dem Inten­siv­Zim­mer, der Füh­rung in der Pfle­ge, als pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, dass Drum­Her­um, wie die Pfle­ge “lebt”, ihr gut tut, die Teil­ha­be wie in der Schu­le, was die Kranken‑, die Sozi­al­kas­sen … Wir mit­ten drin mit der Linn, unse­rer IntensivLady …

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