Hörgerät — nix da

Hört sie? Wenn ich zu erzählen beginne … Als Kind suchte ich den Schoß mein­er Oma, um mich zu ver­steck­en vor dem Allein­sein und forderte das gele­sene Wort. Dann sah ich ihr zu wie ihre Augen über die Buch­staben wan­derten, ihr Mund tanzte und färbte jedes Wort ein von dem Märchen, was sie mir schon gestern und vorgestern vor­las. Die Sätze “Oma, bitte noch mal.” und “Aber du kennst es doch schon.” wur­den zum Spiel, wobei der Sieg darin bestand, in dem Genus der Stimme zu geraten. 

Die Lady, sie hört und doch ver­ste­ht sie die Vok­a­bel nicht. Sie hört, objek­tiviert fest­gestellt mit Elek­tro­den und Kopfhöher gestern im Labor. Ein Hörg­erät, das bleibt ihr erspart.Sie hört, wenn wir sie ansprechen und sie uns dabei ihr Gesicht zudreht. Wenn sie weint und wir in ein­er falschen Ton­lage uns äußern und sich dann ihr Weinen zur Hyper­ven­ti­la­tion steigert. Doch ver­ar­beit­et sie es? Ein ander­er Tag und jedes Wort, jedes Sausen unser­er Stimme ver­liert sich nur im Raum, ohne bei ihr eine Regung auszulösen. Kein Zuck­en bei ihr, wenn eine Tür zu knallt.

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