Charlott 1 (f)

Kannste echt in den Skat drück­en. Eigentlich ein Satz von meinem Groß­vater, aber seit­dem Fritz geboren ist, ist der Satz auch nicht mehr aus mein­er Welt wegzu­denken. Ein­mal sind es die Leute in der Krankenkasse und dann der ganze Mief auf dem Amt. Tschuldigung, falls das Wort Mief nicht ganz passt, aber es lässt sich kaum anders sagen. Da entschei­den Men­schen über Fritz, was er braucht, was nicht, ohne ihn ein­mal gese­hen zu haben, ohne über­haupt ver­standen zu haben: Was hat denn der Bub?

Was hat er denn? Ja, was. Die Medi­zin­er wis­sen es nicht, bis auf die Diag­nose Epilep­sie und seine Behin­derung tun sie ab mit: “glob­aler Entwick­lungstörung”. Vor ein paar Tagen fragte mich eine Frau danach. Ich zuck­te mit den Schul­tern und sagte: “schwere Behin­derung.”
Ich hätte nie geglaubt, so häu­fig dieses Wort “Behin­derung” gebrauchen zu müssen. Hätte ich nie. In der Jugend nicht, dort war das häu­fig­ste wohl: “Haste mal ne Kippe?” oder später, als die Par­tys gesit­teter wur­den, hieß es: “Haste mal ne Zigarette?” oder Papers, Tabak. Heute fragt mich kein­er mehr danach und ich selb­st, ich vergesse den Dun­st ein­fach. Nur dann nicht, wenn ich aus diesen elendi­gen Sitzun­gen komme, die mein Leben bre­it treten. Da zieht sich meine Lunge zusam­men und es dürstet mich nach dieser Schwere im Kopf, dem knis­tern­den Papi­er um dem Tabak.

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Dirk Strecker

Er arbeitet im und führt das PflegeTeam von Linn im Arbeitgebermodell (PflegeTeam bei Zitronenzucker) - gepaart mit seinen Erfahrung aus der Leitungsarbeit in ambulanten Kinderkrankenpflege / Intensivpflege. D.S. administriert Selbsthilfe-Webprojekte und wirkt vor Ort mit bei Themen der Selbsthilfe, Integration - Inklusion und der Kinderhospizarbeit. Er war Koordinator für den Kinderhospizdienst und berät jetzt beim Bundesverband Kinderhospiz.

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