Mitleid — der Weg zum Helfen?

Kaum beschäftigt man sich mit einem The­ma, dann stößt man darauf auch auf anderenorts, unab­hängig von dem. Ich meine das The­ma Mitleid. Son­ntag, zum Tag des Haus­putzes, wurde es The­ma im Radio­cafe vom MDR Figaro. Mitleid und das Faz­it ist ernüchternd, der Emo­tion Mitleid haftet mehr neg­a­tives an, als es den Betrof­fe­nen, die bemitlei­det wer­den, gut tut. Zum einen fühlen sie sich bevor­mundet, wenn man ihnen ohne zu fra­gen hil­ft oder sog­ar Hil­fe anbi­etet. Schließlich, sie hät­ten selb­st einen Mund, um nach Hil­fe zu fra­gen, zum anderen unter­liegt dem Mitleid ein psy­chis­ch­er Kom­plex: Der Mitlei­dende fühlt sich, wenn er helfen kann, bess­er und es macht ihn sog­ar, je nach Typ, stolz im Sinne der Eitelkeit.

An sich kön­nte man jet­zt meinen, Mitleid, klar, das ist nur die Triebfed­er fürs helfen und dies ist ganz natür­lich, denn der “gesunde” Ver­stand zieht nicht das Leid vor, son­dern das Wohl­sein und strebt danach. Doch wiegt das Gege­nar­gu­ment schw­er­er, was das Mitleid als ein narz­ißtis­ches Gefühl betra­chtet und somit mehr dem Selb­st­wert­ge­fühl dient: Es ist also Eigen­nutz, denn, mal ganz grob for­muliert: Der Mitlei­dende kann es nicht ertra­gen, wie der andere sich “abquält”. Er hat Angst, ein­mal selb­st betrof­fen zu sein und dies stellt für ihn, neben dem Tod, ein schlimmes Schick­sal dar. Um möglichst schnell aus der unerträglichen Sit­u­a­tion zu find­en, um diese zu been­den, muss er oder sie helfen. Ja, so kann es gehen. Doch möchte ich dies nicht jedem Mitlei­den­den unter­stellen, aber ich finde, wenn man in sich diese Emo­tion aufkom­men sieht, vielle­icht sollte man sich auch mal fra­gen, was steckt dahin­ter, warum empfinde ich ger­ade dies so (Lies auch dazu Kirch­n­er).

Doch nun, hil­ft uns dies weit­er im Umgang mit dem anderen, bei dem wir eine mögliche Hil­fe­si­t­u­a­tion erken­nen? Bed­ingt, würde ich sagen. Denn die erste Maxime heißt: Sehe zuerst den ganzen Men­schen und nicht dessen Defizite, “Abnor­mität” oder Beson­der­heit. Denn schließlich möchte man als “Nicht­be­hin­dert­eR” auch nicht in aller Öffentlichkeit bloß gestellt oder nur in seinem Funk­tion­ieren betra­chtet wer­den. Punkt zwei, so wie ich es in der Krankenpflege lernte, bevor man jeman­dem hil­ft oder Hil­fe anbi­etet, achte auf die Ressourcen des anderen und es ist sog­ar wichtig für den Erhalt der Selb­st­ständigkeit, dass er oder sie ihr Kön­nen nutzen. Neben diesen ist das Gefühl: “Ich kann es” enorm wichtig für den Men­schen, was wohl jed­er (hof­fentlich) nachvol­lziehen kann. Denn es dient zum Einen dem Selb­st­wert­ge­fühl und baut zum Anderen eine Moti­va­tion­s­grund­lage für weit­eres Handeln.

Also, wie nun, noch mal zusam­menge­fasst am Beispiel Roll­stuhlnutzer, wie ich es jet­zt ver­ste­he: Ver­suche den Men­schen zu sehen und nicht dessen Hand­i­cap (denn woher willst du wis­sen, wie es ihm damit erge­ht, vielle­icht geht es dir sog­ar schlechter ) — Gehe “erst” davon aus, wenn er Hil­fe braucht, dann meldet er sich (würde er viel Hil­fe brauchen, würde er (hof­fentlich) mit einen Assis­ten­ten unter­wegs sein) — Erken­nt man, dass er nicht zurecht kommt, kann man immer noch Hil­fe anbi­eten (aber nicht auf­drän­gen!). Und geistig muss klar sein: Mitleid, das ist hier nicht notwendig, denn man hil­ft einem Men­schen wie jeden anderen auch.
Ja, jet­zt habe ich nur noch ein Problem:

Helft alten Men­schen und allen Bürg­ern, die Eure Hil­fe benöti­gen! (S. 4. Pio­nierkalen­der 1988. Der Kinder­buchver­lag Berlin. DDR. 1987)

Und … ja so manche Maxime sollte dann doch mal über­dacht wer­den. Der Unter­schied zwis­chen Hil­fe anbi­eten und auf­drän­gen muss … ja wie nun, ach ich hab jet­zt keine Lust mehr, drum gebe ich über:

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