Wenn der Windelbedarf traumatisiert

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Eine gute Win­del­ver­sor­gung ist wie ein Mär­chen und der Weg über die Kran­ken­kas­se und den Win­del­pro­vi­der wird schnell zum Trauma. 

Ja, das The­ma Win­del oder Inkon­ti­nenz­ver­sor­gung wird nie enden, in dem Sin­ne: Es gibt kei­ne Dis­kus­sio­nen mehr dar­um, war­um wes­halb wie­so unser schwer erkrank­tes Kind die­se Win­del braucht und wie­so die­se täg­li­che Menge.

Der Bedarf soll­te „ein­fach“ erfüllt sein, solan­ge er not­wen­dig, wirt­schaft­lich und zweck­mä­ßig ist. Dies sehe ich als Pfle­ge­fach­kraft mit jah­re­lan­ger Erfah­rung in der Inten­siv­pfle­ge als gege­ben an.

Jeder Kon­takt mit die­sem The­ma, sei es mit dem Win­del­pro­vi­der oder der Kran­ken­kas­se erschreckt mich, lässt mei­nen Puls nach oben zie­hen und ich bin im Tun­nel der Gruselphantasien.

Dabei gilt für mich als Pfle­ge­fach­kraft und Lei­tung der Pfle­ge: Eine gute Win­del­ver­sor­gung ist, neben der medi­zi­ni­schen Begrün­dung, eine Wert­schät­zung der pfle­gen­den Eltern oder Ange­hö­ri­gen und des Pfle­ge­Teams.

Also gilt umge­dreht, mei­ner Mei­nung nach, durch eine unzu­rei­chen­de Win­del wird die Teil­ha­be des Men­schen mit Behin­de­rung beein­träch­tigt, die Gesund­heit des erkrank­ten Ver­si­cher­ten gefähr­det (Deku­bi­tus) und pfle­gen­de Eltern mit ihrem Ein­satz fürs Kind abgewertet. 

Kurz gesagt, eine schlech­te Win­del­ver­sor­gung setzt gleich­zei­tig schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen. Gute Arbeits­be­din­gun­gen sind ein Schlüs­sel für „gesun­de“ Pflegekräfte.

Dies lässt sich auch aus einer letz­ten Stu­die der TK her­aus­fil­tern oder damit asso­zi­ie­ren. Aus­lau­fen­de Win­deln belas­ten, sie erzeu­gen ein­fach nur Stress, da der Pati­ent nicht nur wie­der gewi­ckelt wer­den muss, son­dern umge­zo­gen oder das gesam­te Bett neu bezo­gen wer­den muss, obwohl aktu­ell dafür kei­ne Zeit ist … 

Was für pro­fes­sio­nel­le Pfle­gen­de gilt, gilt aus mei­ner Sicht, auch für pfle­gen­de Eltern. 

Denn wir Eltern leis­ten im Haus­halt mit Inten­siv­pfle­ge die glei­che Arbeit wie Pfle­ge­fach­kräf­te. Wir müs­sen dabei sogar die Aus­fäl­le von Pfle­ge­fach­kräf­ten abfe­dern, wenn der Inten­siv­pfle­ge­dienst wie­der und wie­der kei­nen Ersatz hat. 

Unse­re Arbeit ist dabei sogar kos­ten­güns­tig, äußerst güns­tig gegen­über dem Pflegedienst.

Ab Juni gibt es die Windel

Wir dach­ten, im Juni hät­ten wir eine halb­wegs gute Lösung gefun­den, da die bis­he­ri­gen Win­deln, genannt auch geschlos­se­ne Inkon­ti­nenz­sys­te­me, nicht mehr lie­fer­bar seien. 

Die Lösung ist eine Foli­en­win­del Typ Moli­ca­re maxi M von Fa. Hart­mann. Sie funk­tio­niert gut in dem Sin­ne, sie läuft trotz des sehr star­ken Uri­n­ab­gangs sel­te­ner aus – eben bei schwall­ar­ti­gen Urinabgang.

Der Nach­teil, eben weil es eine Foli­en­win­del ist, sie ist nach dem Öff­nen der ange­leg­ten Win­del nicht gut wie­der zu ver­schließ­bar. Das liegt an der Hard­ware, der Ver­schluss­tech­nik, wie die Win­del am Pati­en­ten zuge­macht wird. 

Die Kleb­chen, mit denen wir die Win­del ver­schlie­ßen, kle­ben gut, sogar sehr gut. Dies ist auch wich­tig, damit sie nicht wie­der aufgeht.

Dabei besteht ein Ver­schluss­kleb­chen der Win­del aus zwei Tei­len, die anein­an­der haf­ten und über­ein­an­der sind. Wenn man das obe­re abzieht, soll­te das unte­re (wel­ches direkt auf der Win­del­fo­lie klebt) auf der Win­del blei­ben. Dies klappt mal, mal nicht. 

Der Kleb­chen-Ver­schluss der Moli­ca­re Foli­en­win­del von Fa. Hartmann

Dabei sind die Kle­be­ver­schlüs­se so fest ver­bun­den mit der Win­del­fo­lie, dass sie beim öff­nen die­ser die Folie der Win­del kaputt machen kön­nen und damit ist dies Inkon­ti­nenz­sys­tem undicht, ein­fach defekt. Es dringt der wat­ti­ge Inhalt nach außen.

Als Bei­spiel: Kle­be ein stark haf­ten­des Kle­be­band mal auf eine dün­ne Plas­tik­tü­te und ver­su­che die­ses abzu­zie­hen ohne die Tüte zu zerstören.

Wenn es klappt beim Öff­nen der Win­del, kön­nen wir die obe­ren Kleb­chen von den unte­ren (die direkt auf der Win­del­fo­lie sind) abzie­hen ohne die Folie zu schä­di­gen. Danach kann sie wie­der ver­schlos­sen werden. 

Wie gesagt, es klappt mal, mal nicht. Dazu kommt die Spas­tik, womit beim Zuma­chen die Win­del nicht mehr sicher sitzt. 

Wenn die Folie auf­reisst einer Foli­en­win­del von Fa. Hartmann

Die neue Lage der Win­del kann auch nicht kor­ri­giert wer­den, denn die obe­ren Kleb­chen haf­ten sehr schlecht direkt auf der Win­del­fo­lie, sie haf­ten gut auf den unte­ren Kleb­chen. Aber selbst hier lösen sie sich schnell von­ein­an­der, wenn ich zum Bei­spiel Linn lagere. 

Es gilt also: die zwei Kleb­chen müs­sen wie­der direkt auf­ein­an­der geklebt wer­den, sonst hält der Ver­schluss nicht und die Win­del ist nicht sicher.

Eine siche­re Win­del meint, sie sitzt pas­send, dass sie nicht ausläuft.

Doch müs­sen wir die Win­del öff­nen. Logisch, wenn sie vol­ler Urin ist. Dann stört die­ser Nach­teil auch nicht, denn sie fliegt in den Müll. 

Wir müs­sen sie dazu öff­nen, auch wenn sie tro­cken ist, denn:

  • Linn bekommt min­des­tens drei­mal am Tag Tem­pe­ra­tur gemessen.
  • Sie bekommt min­des­tens ein­mal am Tag ein Medi­ka­ment als Zäpfchen
  • Sie hat eine Spas­tik in den Bei­nen. Durch die­se kann sich die Win­del verschieben

Wei­ter­hin kann sie bis zu zwei­mal Stuhl­gang haben am Tag. Dies mag auf den ers­ten Blick bei Obs­ti­pa­ti­on irri­tie­rend klin­gen. Doch wird die Obs­ti­pa­ti­on medi­ka­men­tös behan­delt, damit es kei­ne schwe­re Ver­stop­fung gibt. 

Es pas­siert wie­der­holt, dass sich der Darm nicht auf ein­mal ent­leert oder ent­leert wer­den kann (digi­ta­les ausräumen).

Okay, jetzt könn­tet ihr sagen, war­um neh­men wir nicht eine Win­del, die wie­der gut zu ver­schlie­ßen ist. 

Dies wäre eine Idee, doch uns wur­de eine sol­che mit glei­cher Saug­leis­tung abge­lehnt von der Kran­ken­kas­se oder der Her­stel­ler meint, sie sei nicht mehr lie­fer­bar. Damit bleibt eben die­ses Modell und wir kom­men, irgend­wie, mit fünf bis sechs Win­deln am Tag sehr gut hin. Trotz die­ser Nach­tei­le und auch, wenn sie mal ausläuft.

Doch jetzt kommt die Dis­kus­si­on mit dem Win­del­pro­vi­der, der meint, es wür­den fünf Stück am Tag rei­chen und schick­te uns ein Pro­to­koll und die Kran­ken­kas­se, sen­de­te uns auch eine Auf­for­de­rung zu, die Pro­to­koll zu führen.

Dage­gen steht aber die ärzt­li­che Ver­ord­nung seit Mona­ten (seit Herbst 2018), wo nach sechs Win­deln am Tag gebraucht wer­den. Die­se Ver­ord­nung wur­de nie ange­zwei­felt. So mei­ne Kenntnis. 

Es wur­de auch nie ange­zwei­felt, dass wir seit 2017 gute sechs Win­deln am Tag ver­brau­chen. Die Lie­fer­schei­ne lie­gen mir vor.

Warum wiegen?

Aus mei­ner Sicht läuft hier was schief, denn wie ich zuletzt lern­te, gilt eine Ver­ord­nung nach drei Wochen geneh­migt, wenn sich von der Kran­ken­kas­se nie­mand rührt. Also, was soll die­ser Auf­wand und was ist die rich­ti­ge Waa­ge (Hygie­ne).

Ist es zumut­bar eine Küchen­waa­ge zu neh­men, wonach Essen dar­auf abge­wo­gen wird? In der Gas­tro­no­mie wür­de dies ver­mut­lich ein mas­si­ver Ver­stoß gegen Hygie­ne­richt­li­ni­en sein. 

Das Haupt­pro­blem ist die Qua­li­tät der Win­del selbst.

Jetzt ist für mich die Fra­ge, was ist dies mit dem Pro­to­koll und bekommt dies die Home­ca­re­fir­ma / der Win­del­pro­vi­der oder die Kran­ken­kas­se? Wenn wir es den Win­del­pro­vi­der zurück­sen­den, geht es dann zum MDK?

Ich bin über­fragt und dies nur wegen einer Win­del über fünf pro Tag.

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2 Kommentare

  • Hal­lo
    Ich habe gera­de von ihrem Pro­blem gele­sen und kann Ihnen ihre Erfah­run­gen nur bestä­ti­gen bezüg­lich der Moli­ca­re Maxi. Es gibt aber noch sechs ech­te Alter­na­ti­ven, wel­che ich Ihnen emp­feh­len kann.
    Die ers­te ist die Ver­wen­dung der Win­del For­ma Care X‑Plus, wel­che wie die Moli­ca­re eine Urin-undurch­läs­si­ge aus­lauf­si­che­re Außen­fo­lie besitzt und ähn­li­che Ver­schlüs­se hat, aber saug­stär­ker ist.
    Als zwei­tes gibt es die Tena Acti­ve Fit Ultra, wel­che ähn­lich aus­ge­stat­tet ist, aber nur in Deutsch­land übers Inter­net im Aus­land bezo­gen wer­den kann.
    Als drit­tes gibt es die Bet­ter­Dry, wel­che es auch in far­big gibt, für Men­schen, wel­che Win­del so eher tol­le­rie­ren, die über recht anwen­der­freund­li­che Ver­schlüs­se ver­fügt und auch sehr saug­stark ist.
    Als vier­tes ist die Win­del ID-Slip Prime Maxi zu nen­nen, wel­che ein tex­ti­les Außen­ma­te­ri­al besitzt und rund her­um Urin-undurch­läs­sig ist und über gut hal­ten­de Klett­ver­schlüs­se verfügt.Die Win­del ist recht saug­stark. Die­se Win­del ist momen­tan aber auch nur übers Inter­net zu beziehen.
    Die fünf­te Win­del wäre die Seni Quat­tro, wel­che ähn­lich der vier­ten Win­del ist, aber durch sehr vie­le Leis­tungs­er­brin­ger lie­fer­bar sein sollte.
    Die sechs­te und wohl mit Abstand am brauch­bars­ten ist eine Win­del, wel­che von einen kana­di­schen Auf­trag­ge­ber in Chi­na pro­du­ziert wird. Die­se ist aber in Deutsch­land übers Inter­net zu bezie­hen. Die­se nen­nen sich Eli­te Hybrid Win­del­ho­sen und ist mit einer sta­bi­len wei­chen Außen­fo­lie ver­se­hen, wel­che eine soge­nann­te Lan­de­zo­ne für vier gro­ße Klett­ver­schlüs­se besitzt. Die­se Win­del­ho­se über­trifft alle ande­ren Win­del­ho­sen, wel­che auf dem deut­schen bzw. euro­päi­schen Markt zu bezie­hen sind. Ihr Preis ist zwar auch deut­lich höher, aber Ange­sichts der Men­gen, wel­che sie benö­ti­gen, wenn sie die Moli­ca­re wei­ter benut­zen, ist es eine deut­li­che Ein­spa­rung. Sie müs­sen es nur aus­pro­bie­ren und ihrer Kran­ken­kas­se es an Hand der Rech­nun­gen bele­gen. Eine klug rech­nen­de Kran­ken­kas­se wür­de da nicht nein sagen.

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Ein Blog, klei­ne “Skiz­zen” aus dem Inten­siv­Zim­mer, der Füh­rung in der Pfle­ge, als pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, dass Drum­Her­um, wie die Pfle­ge “lebt”, ihr gut tut, die Teil­ha­be wie in der Schu­le, was die Kranken‑, die Sozi­al­kas­sen … Wir mit­ten drin mit der Linn, unse­rer IntensivLady …

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