Pflegezirkus // Gestalte die Intensivpflege mit Lebenslimitierung und Behinderung - der Suche der Identität im Mann-Sein darin //

Der Strich durch den Tagesplan

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Wis­sen Sie, lie­be Leser, war­um es sich nicht lohnt einen Tages­ab­lauf zu pla­nen mit einem Inten­siv­kind? Na, es ist ganz ein­fach. Ein Kind mit einem hohen Pfle­ge­auf­wand hat zumeist nicht nur eine Bau­stel­le, son­dern gleich meh­re­re und die haben mehr oder weni­ger die Eigen­schaft, dass der Name Inten­siv­kind gleich ver­bun­den wird mit dem Arbeits­auf­wand wie auf der Inten­siv­sta­ti­on. Eine Akti­on folgt der nächs­ten, so dass man meint: Dort fin­det man als Pati­ent nie Ruhe.

Bau­stel­le, nun da “hüpft” man von einer Bau­maß­nah­me zur nächs­ten, ein­mal vom blu­ti­gen Sekret aus der Luft­röh­re zur Epi­lep­sie, zwi­schen­drin “mel­det” sich die Magen­son­de zu Wort, man habe zu stark an ihr gezo­gen. Doch jetzt mal weg von der Beschrei­bung zur Aktua­li­tät: Die ewi­ge Bau­maß­nah­me Epi­lep­sie meint beim Kin­de, sie kön­ne mehr als viel­leicht ein oder zwei­mal am Tag sich zei­gen, also das Kind mit einem epi­lep­ti­schen Krampf mal kurz, ein oder zwei Minu­ten, außer Gefecht zu setzen.

Die Epi­lep­sie kann mehr, sie kann mor­gens begin­nen, das Kind in einen Abwe­sen­heits­zu­stand ver­set­zen und zwi­schen­drin, da zuckt es immer mal wie­der, als zie­he ein Gewit­ter auf und kaum ist die­ses weg, folgt das nächs­te. Es sind kei­ne gro­ßen Krämp­fe, aber auch nicht die, die man igno­rie­ren kann, mit denen man leben lernt. Es sind die, bei dem man mit jedem Anfall hofft, dass das Gewit­ter nicht ste­hen bleibt, es wei­ter zieht. Doch die Abwe­sen­heit bleibt, man traut sei­nem Gefühl nicht mehr, die Situa­ti­on rich­tig ein­schät­zen zu kön­nen. Kurz: Man hat den Über­blick über die Bau­stel­le verloren.

So ist es heu­te gesche­hen. Die Epi­lep­sie for­dert ihre Beach­tung schon auf dem Weg in den Kin­der­gar­ten, zwi­schen­drin, als man das Kind aus dem Bug­gy hebt, zieht es mal wie­der an der Magen­son­de, dem But­ton, doch zum Glück ist der Anschluss nicht gesi­chert gewe­sen. Der But­ton bleibt wo er sein soll: Im Sto­ma durch die Bauch­de­cke in den Magen. Der Nah­rungs­zu­fuhr-Schlauch ist ab. Alles kein Pro­blem, man legt das Kind in ihr Bett in der Kita ab. Doch kaum hat man das “Übel” besei­tigt, den Schlauch mit dem But­ton ver­bun­den, folgt der nächs­te Anfall, das nächs­te Gewit­ter im Ner­ven­sys­tem. Jetzt heißt es Dia­ze­pam, damit man gehen kann, damit man sei­ne Tages­auf­ga­be erfüllt, das, was man sich vor­ge­nom­men hat.

Doch kaum war man zuhau­se ange­kom­men, klin­gel­te das Tele­fon, die Epi­lep­sie, ein Anfall folgt dem nächs­ten. Nichts gro­ßes, und doch die zwei­te Dosis Dia­ze­pam kann das “Ner­ven­cha­os” auch nicht ändern. Also wie­der rein in die Kita, ein Tele­fo­nat mit Arzt und Kli­nik, also rein in die Kli­nik, mit dem Fahr­stuhl hoch auf die Inten­siv­sta­ti­on. Und das ange­streb­te Tages­werk? Aus dem wird nichts. Man ist die Pfle­ge­per­son Nume­ro Uno, man ist der, der die Lage beim Inten­siv­kind im Blick haben muss. Eine Auf­ga­be neben­bei, dies ist wie ein Hob­by neben sei­nem Beruf, wel­cher über die vier­zig Stun­den­wo­che hin­aus geht.

Es ging in die Kli­nik, denn die Bau­stel­le Epi­lep­sie wur­de unüber­sicht­li­cher. Man “arbei­te­te” an die­ser mit Rat und dem kur­zen Blick der Ärz­te zwi­schen­durch, und man erfasst dann, also heu­te, nur noch einen klei­nen Teil, wenn die Epi­lep­sie ihre Gewohn­hei­ten ver­lässt. Es bedarf eines Zwei­ten. Einer, der die Lage über­blickt, einer, der objek­tiv sein kann und nicht wie wir Eltern, die eige­nen Bedürf­nis­se mit in die Pfle­ge und Behand­lung “ein­baut”. Einer, der also auch sei­ne Emo­tio­nen abstrei­fen kann, wenn es um die Beur­tei­lung der Behand­lung, der Situa­ti­on, geht. Der Tag hat somit ein “ande­res”, aber auch immer ein erwar­te­tes Ende gefunden.

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Ein Blog, kleine "Skizzen" aus dem IntensivZimmer, der Führung in der Pflege, als pflegende Angehörige, dass DrumHerum, wie die Pflege "lebt", ihr gut tut, die Teilhabe wie in der Schule, was die Kranken-, die Sozialkassen ... Wir mitten drin mit der Linn, unserer IntensivLady ...

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