Pflegezirkus // Gestalte die Intensivpflege mit Lebenslimitierung und Behinderung - der Suche der Identität im Mann-Sein darin //

Intensivkind & Alltag: Multitasking und Pflegeperson

I
Mul­ti­tas­king, da säu­selt einem zuerst durch den Kopf: Die Frau­en kön­nen es, die Män­ner nicht. Nun, wer es glau­ben mag, der soll es auch. Eini­ge Stim­men aber, wie auf Tele­po­lis nach­zu­le­sen, strei­ten die­se Fähig­keit ab (gefun­den über Tool­blog). Doch was steht hin­ter dem Begriff „Mul­ti­tas­king“? Er bezieht sich dar­auf, dass man Din­ge gleich­zei­tig erle­di­gen kann. Wobei hier das wil­lent­li­che, bewuss­te Schaf­fen gemeint ist, was heißt, man liest etwas und dabei hört man sei­ner Part­ne­rin zu. Geht das?

Nun an sich arbei­tet unser gesam­ter Kör­per im Mul­ti­tas­king: Das Herz schlägt, egal was ich mache. Ich höre und sehe gleich­zei­tig. Dies heißt doch, er erle­digt meh­re­re Auf­ga­ben gleich­zei­tig. Ja, das schon. Doch schaut man ein Stück tie­fer in die Bio­lo­gie, da wird auch klar, so rich­tig gleich­zei­tig im Sin­ne von Mul­ti­tas­king agiert der Kör­per nicht. Denn wo etwas gleich­zei­tig arbei­tet bei uns, da kann man auch schnell eine phy­sio­lo­gi­sche Tren­nung erken­nen: Neh­men wir das Herz. Es hat sein „eige­nes“ Ner­ven­ge­rüst zur Steue­rung und ist so auto­nom, oder bei den Refle­xen die Rücken­mark ver­schal­tet wer­den, unab­hän­gig vom Gehirn. An sich, also wenn man den Men­schen als orga­ni­sche Ein­heit sieht, dann ist er stän­dig im Mul­ti­tas­king. Beginnt man den Men­schen als Robo­ter nach­zu­bau­en, da löst sich das zeit­glei­che Lösen von Auf­ga­ben ent­we­der in das super schnel­le Lösen von ein­zel­ne­nen Schrit­te hin­ter­ein­an­der auf oder man braucht meh­re­re „eigen­stän­di­ge“ Rech­ner, die unab­hän­gig von ein­an­der agie­ren und mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, womit sie eine Ein­heit bil­den: Die Pum­pe für die Ener­gie­ver­sor­gung arbei­tet schnel­ler bei erhöh­ter Anstrengung.

So viel dazu. Nun, wie schon erwähnt, man meint aber mit dem Begriff Mul­ti­tas­king beim Men­schen, dass er bewusst min­des­tens zwei Din­ge gleich­zei­tig bewäl­tigt. Also er liest kon­zen­triert einen Text über die Bau­schlos­se­rei und hört kon­zen­triert „Moby Dick“ dazu. Dabei schal­tet er aber nicht zwi­schen den bei­den Sachen hin und her. Also er oder sie liest einen Satz und dann hört er oder sie zu, dann wie­der lesen etc..

Nun, bei mir klappt das nicht. Viel­leicht ist es mei­ne per­sön­li­che Ein­stel­lung dazu, da ich nicht über­zeugt bin, dass der Mensch sich gleich­zei­tig auf meh­re­re ein­zel­ne Din­ge kon­zen­trie­ren kann und die­se so mit Bra­vour schnell und gut bewäl­tigt. Da den­ke ich nur an unse­re Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und schon sehe ich einen Strich durch die Rech­nung „Mul­ti­tas­king“. Denn um effek­tiv eine Auf­ga­be lösen zu kön­nen, da muss ich mich voll und ganz auf die­se ein­las­sen, was allein schon eine Anstren­gung für sich sein kann. Und den­ke ich an mei­nen Pfle­ge­all­tag, da wird die Unfä­hig­keit „Mul­ti­tas­king“ deut­lich: Ger­ne wür­de ich bei den mor­gend­li­chen und abend­li­chen Pfle­ge­run­den ein Hör­spiel oder Fea­ture hören. Doch ver­giss es, das klappt nicht. Auch wenn die Madame nicht mit einem redet, so muss man neben dem Waschen, Zäh­ne put­zen etc., auf dies und jenes ach­ten bei ihr. Und wenn ich mal Hören und Pfle­gen zusam­men pro­bier­te, dann dau­er­te die Pfle­ge­tä­tig­keit zum einem län­ger oder ich ver­gaß etwas. Am Ende hat­te man dann das Gefühl, in bei­den Din­gen nichts ordent­lich geschafft zu haben. Kurz: Ich bin unzu­frie­den, nicht nur allei­ne, da die Zei­ger der Uhr schon über das gesetz­te Ziel hin­aus gewan­dert sind.

Und am Tag ist es nicht anders mit ihr. Man kann sie halt nicht irgend­wo hin­stel­len und ihr sagen, jetzt spie­le mal. Nein, das klappt nicht, nicht mal wenn sie im Bett liegt und schläft. Man muss sie immer im Blick haben, immer im Ohr. Da sind es zum Bei­spiel zum einen die epi­lep­ti­schen Anfäl­le, bei denen sie kei­ne Luft mehr holt und man mit dem Beatmungs­beu­tel im Stand­by geschal­tet wird oder sie muss abge­saugt wer­den. Macht man dann etwas neben­her, wie die­sen Text schrei­ben, da zeigt sich mir schnell: Es dau­ert alles zum einen län­ger als geplant und man muss den Text mehr Male als üblich über­ar­bei­ten, wie in den Punk­ten Recht­schrei­bung und Gram­ma­tik. Am Ende des Tages hat man dann häu­fig das Gefühl, nichts gan­zes oder hal­bes geschafft zu haben, obwohl man vie­le Din­ge irgend­wie getan hat, sei es im Haus­halt, in der Schrei­be­rei oder an der Linux-Instal­la­ti­on. Mul­ti­tas­king, klar, das wäre sicher­lich der Schlüs­sel mei­nes Erfol­ges als „Nicht-nur-Pfle­ge­per­son“ und guter Pfle­ge ohne Überlastung.

Nun ein­mal hie­ße die Lösung von dem Gefühl „Nichts Gan­zes oder Hal­bes“, set­ze dir Zei­ten. Ein hal­be Stun­de dies und dann das. Notie­re dir schrift­lich die Auf­ga­ben und die Ergeb­nis­se. Set­ze dir klei­ne Zie­le und so wei­ter und so fort. Ken­ne ich und pro­bier­te ich auch und doch es löst nicht das Pro­blem: Immer halb am Kin­de zu sein, sekun­den­schnell auf­sprin­gen zu müs­sen, wenn die Kanü­le raus ist und so wei­ter und so fort. Kommt man nach sei­nem Pfle­ge­ein­satz zurück ans Note­book, zu die­sem Text, so muss man sich erneut wie­der rein den­ken. Hat man wie­der ver­stan­den, was man hier eigent­lich schreibt und for­mu­liert den nächs­ten Gedan­ken im Kopf, da heißt es plötz­lich wie­der auf­sprin­gen zu müs­sen und zum Absau­ger grei­fen. Jetzt bro­delt sie so, dass sie einem am liebs­ten das Sekret durch die Kanü­le direkt ins Gesicht hus­ten würde.

Eine Auf­ga­be anfan­gen, unter­bre­chen, erneut anfan­gen und kurz dran arbei­ten, unter­bre­chen … Dies ist dann bei den Tätig­kei­ten im Haus­halt nicht anders. Selbst bei der gro­ßen Pfle­ge, also dem Waschen oder Zäh­ne­put­zen, muss die ein­zel­ne Tätig­keit häu­fig kurz pau­siert wer­den, da das Kind sich ande­re Sachen „aus­denkt“, also nicht koope­ra­tiv mit arbeitet.

Und frü­her, vor dem Kin­de: Nun, da war man zufrie­den mit sich und der Welt, wenn man sich mal rich­tig in eine Auf­ga­be rein­hän­gen durf­te, dabei sogar das Zeit­ge­fühl ver­lor. Denn nicht allei­ne das Errei­chen des Zie­les macht zufrie­den, son­dern auch der Weg dort hin, kurz gesagt.

Fazit: Wo ist mein Coach für den Pfle­ge­all­tag und war­um gibt es immer Pro­ble­me mit der Aner­ken­nung, auch im Sin­ne der Über­for­de­rung und Ent­las­tung, von der Pfle­ge­tä­tig­keit der Eltern behin­der­ter Kinder?

Kate­go­rie: 



var switchTo5x=true;stLight.options({publisher:”});

Ich freu mich über Deinen Kommentar

Pflegezirkus // Gestalte die Intensivpflege mit Lebenslimitierung und Behinderung - der Suche der Identität im Mann-Sein darin //

Über

Ein Blog, kleine "Skizzen" aus dem IntensivZimmer, der Führung in der Pflege, als pflegende Angehörige, dass DrumHerum, wie die Pflege "lebt", ihr gut tut, die Teilhabe wie in der Schule, was die Kranken-, die Sozialkassen ... Wir mitten drin mit der Linn, unserer IntensivLady ...

Suche

Archiv

Neueste Beiträge

Kategorien