Der Vierte, die Lust und was mit Widerspruch

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Ich hät­te es nie für mög­lich gehal­ten, dass man bei der vier­ten Ableh­nung der Hos­piz­pfle­ge noch einen “rich­ti­gen” Wider­spruch schrei­ben kann, also nicht nur einen Ver­weis auf die ers­ten Wider­sprü­che. Sie, lie­be Leser, fra­gen sich jetzt sicher­lich, hat denn ein vier­ter Wider­spruch noch einen Sinn?

Viel­leicht nicht, denn ich erwar­te ja nicht mehr, dass der Wider­spruch bei der Kran­ken­kas­se einen Erfolg hat. Na gut, ins­ge­heim schon, sonst macht man sich doch nicht die Mühe, oder?

Doch beleuch­ten wir es ein­mal von einer ande­ren Sei­te, von der sport­li­chen. Drei Stun­den hat das Werk in der Erst­fas­sung gedau­ert und es ist har­te, geis­ti­ge Arbeit. Es trai­niert das Text­ver­ständ­nis, das Schrei­ben und die Rhe­to­rik. Manch ande­re set­zen sich eben drei Stun­den vor einer Spiel­kon­so­le und trai­nie­ren den Umgang mit dem Joy­stick oder der nächs­te übt sich in der Bon­sa­ik­unst. Doch egal wie man es nimmt, ein Wider­spruch kann auch zum Gehirn­jog­ging die­nen, wes­halb ich dafür auch ger­ne in die Biblio­thek gehe, mich unter die Stu­die­ren­den mische und loslege.

Der Plus­punkt für den neu­en Wider­spruch, was ihm ganz neue Facet­ten ver­leiht: Das letz­te MDK-Gut­ach­ten, wel­ches in der Post war am Wochen­en­de, besteht aus drei Sei­ten und bei der Men­ge an Text fin­det man garan­tiert Neu­es, was man noch nicht bespro­chen hat.

Doch kom­men wir zum Punkt eins: Text­ver­ständ­nis. Sie erin­nern sich sicher­lich noch an Ihre Schul­zeit. Zuerst mal schaut man, was will uns denn der Autor, hier der Sach­be­ar­bei­ter von der Kas­se oder dem medi­zi­ni­schen Dienst, sagen. Also Text durch­le­sen und den ers­ten Ein­druck notie­ren, wie auch eine Zusam­men­fas­sung in einem Satz. Bei uns ist es ganz ein­fach: Hos­piz­pfle­ge wur­de abge­lehnt und dies ist nicht nett, mil­de gesagt.

Aber dann kommt man zum schwie­ri­gen Teil der Text­ar­beit: Man ver­sucht die wich­ti­gen Argu­ment her­aus zu fil­tern, ver­gleicht sie mit­ein­an­der und fragt dabei: Gibt es Wider­sprü­che in sich? Gibt es Unstim­mig­kei­ten mit dem eige­nen bestehen­den Wis­sen über die Sach­la­ge, wie auch der vor­lie­gen­den Lite­ra­tur wie Geset­zes­tex­te, Rah­men­ver­trä­ge und ande­re Schriften?

Ist man an die­sem Teil der Text­ar­beit gelan­det, dann ist man mit­ten in einer Text­ana­ly­se und Inter­pre­ta­ti­on drin. Dabei schaut man auf, sieht die arbei­ten­den Stu­den­ten und fühlt sich wie in einer Prü­fung, man weiß end­lich, war­um man dies in Deutsch geübt hat und dann folgt Punkt zwei: Das Schrei­ben des Wider­spruchs. Zuerst ein­mal braucht eine logi­sche Struk­tur: was will man sagen und wie reiht man sei­ne Gegen­ar­gu­men­te an, dass es mög­lichst schlüs­sig klingt. Dafür gibt es ver­schie­de­ne Tech­ni­ken, doch die ein­fachs­te ist wohl immer die: Man nimmt sich eine The­se oder dem Beweis vom Autor und setzt sein Gegen­ar­gu­ment dagegen.

Eine logi­sche Struk­tur zu bas­teln, damit der Wider­spruch schlüs­sig ist, nun da könn­te es kniff­lig wer­den. Aber auch für sol­che Din­ge gibt es eine Lösung: Spre­chen Sie am Anfang alle The­sen an, kurz, woge­gen Sie hal­ten wol­len, und num­me­rie­ren die­se frei nach a, b und c. Und wenn Sie im Text dann den Punkt a oder b mit ihren Argu­men­ten anspre­chen, son­die­ren Sie ihn zu einem eige­nen Absatz und set­zen davor ihre Nummerierung.

Sie mei­nen, es sei alles Quatsch, es sei egal, wie man den Wider­spruch schreibt, denn den liest sich eh kei­ner durch. Täu­schen Sie sich nicht, spä­tes­tens im Wider­spruchs­aus­schuss wird er gele­sen, also einen Leser haben sie garantiert.

Aber zurück zu mei­ner Per­son und dem Gefühl beim Schrei­ben: Man sitzt mit­ten in einer Prü­fung. Letzt­end­lich ist also der Wider­spruch wie eine Klau­sur, ins­be­son­de­re wenn man den gan­zen erzeug­ten Stress nimmt, der mit dem Erhalt des ableh­nen­den Beschei­des beginnt. Der Leh­rer, der die Klau­sur dann kon­trol­liert, ist dann das Amt oder die Kas­se. Doch muss man sich davor hüten, den Erfolg eines Wider­spruchs abhän­gig zu machen von des­sen Qua­li­tät. Die Kas­se ent­schei­det nach ihren eige­nen Kri­te­ri­en, so mei­ne Erfah­rung, und nicht, wie gut und schlüs­sig man gegen die Ableh­nung hält. Aber auch beim Schei­tern gibt es ein Trost­pflas­ter, damit nicht die gan­ze Mühe schein­bar für den vor­bei­rau­schen­den Wind war: Das Gericht, wenn die Kas­se die eige­ne Argu­men­ta­ti­on nicht über­zeugt hat, wobei ande­re mei­nen, es sei schon rich­tig so, wie man die Sach­la­ge betrachtet.

Aber jetzt fra­gen Sie sicher­lich: Ist es nicht doch sinn­los, wenn man kei­nen Erfolg hat mit dem Wider­spruch? Ich sage Ihnen: Nein. Denn bit­te, wann haben Sie denn die Chan­ce frei Haus effek­tiv Ihre grau­en Zel­len zu akti­vie­ren. Sie nicken ab, ein Wider­spruch, das regt zu sehr auf, da braucht man Fach­wis­sen und Zeit. Okay, ich ver­steh schon, es gibt sicher­lich auch net­te­re Hob­bys und Mög­lich­kei­ten, sei­ne Gehirn auf Trab zu hal­ten. Stimmt schon, ich wüss­te auch bes­se­re The­men als mich über die Geneh­mi­gung der Hos­piz­pfle­ge zu strei­ten, näm­lich zu ver­ste­hen, um einer hef­ti­gen Kri­se vor­zu­bau­en, wie es mir ergeht, wenn das Inten­siv­kind stirbt. Aber das nur am Rande.

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Ein Blog, klei­ne “Skiz­zen” aus dem Inten­siv­Zim­mer, der Füh­rung in der Pfle­ge, als pfle­gen­de Ange­hö­ri­ge, dass Drum­Her­um, wie die Pfle­ge “lebt”, ihr gut tut, die Teil­ha­be wie in der Schu­le, was die Kranken‑, die Sozi­al­kas­sen … Wir mit­ten drin mit der Linn, unse­rer IntensivLady …

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